Mendoza bis Purmamarca

Ushuaia zu verlassen war sehr schwierig. Busse und Flüge waren voll. Nach drei Tagen kam ich dann weg. Ich ging so ziemlich direkt nach Mendoza. Eine 12-Stunden-Fahrt nach Rio Gallegos und nach fünf Stunden Aufenthalt ein 40-Stünder nach Mendoza! Die Fahrt selber war gar nicht so schlimm. Nach dem ersten Schlaf wird man gar nicht mehr richtig wach, auch wenn man an den Stopps sich die Beine vertritt. Viel schlimmer ist, wie man nach so einer Fahrt stinkt! Viel schlimmer als nach vier Tagen Dientes de Navarino!
Mendoza hat mich von der Stadt her nicht so umgehauen, aber die Weintour ist wirklich noch witzig. Und man isst natürlich gut (Fleisch)! Mit dem lokalen Bus kann man eine Stunde aus der Stadt fahren, sich ein Velo Mieten und ca. 10 Bodegas abfahren. Man zahlt zwischen 15 und 25 Pesos (ca. 3 – 5 Franken) pro Degustation. Allerdings ist das nicht eine klassische Degustation, sondern man bekommt zünftig Wein eingeschenkt und muss aufpassen, dass man es mit dem Fahrrad noch zurück schaft. Brot gab es nicht, obwohl das den Genuss noch abgerundet hätte. Auf Nachfrage, gab es aber ein paar “Darvidas”.Mendoza war der einzige Ort, wo in den Hostels Weinflaschen anstelle Bierflaschen rumstanden. Hier kann man gut “Verwiiile”.
Ich fuhr dann rüber nach Santiago (meine elfte Grenzüberquerung zwischen Argentinien und Chile). Aber nur für einen Tag, um Juan, ein mitgefangener aus Aguas Calientes vor zwei Jahren, zu besuchen. Obwohl die Meinungen ganz anders sind, gefiel mir Santiago viel besser als Mendoza oder Salta! Die Stadt ist eher vergleichbar mit Buenos Aires. Man hat viel Platz und es gibt viel zu sehen. Mit Juan bin ich in ein gutes kleines Restaurant mit lokalem Essen. Am nächsten Tag trafen wir uns zum Mittagessen in einer kleinen Kantine. Der Küchenchef liess mich umsonst essen (hätte sonst 2000 Peso, ca. 3 Franken gekostet). Es gab eine Art Maisauflauf (süss), Salat, Tee und Gelatine. Juan empfahl mir noch beim “Piojera” reinzuschauen und einen Terremoto zu trinken. Prompt war das sogar der heutige Event vom Hostel. Das “Piojera” ist eine echt kuule Bar, wo sich die Chilenen betrinken. Es wird gesungen und gelacht und der Barkeeper bereitet meistens gleich zehn Tierremotos (Fernet, Weisswein und Ananas-Eis) aufs Mal vor.
Ich wäre gerne noch länger geblieben, hatte aber schon wieder ein Busticket nach Salta (wieder Argentinien). Aber Salta packte mich nicht so und ich ging weiter nach Purmamarca, ein Dorf gleich neben dem Hügel mit den Sieben Farben, mit Strassen aus Erde und dem südamerikanischen Touch, den ich aus Ecuador vor zwei Jahren vermisste. Purmamarca lag sowieso auf dem Weg nach San Pedro de Atacama. Mit ein paar Jungs wartete ich zwei Stunden auf den Bus. Irgendwas war wohl schief gegangen…

Dientes de Navarino – der südlichste Hike

Ich bin noch weiter südlich gegangen. Auf den südlichsten Hike der Welt: Dientes de Navarino! Von Ushuaia (der südlichsten Stadt) gings mit dem Boot zur Isla Navarino nach Puerto Williams (dem südlichsten Dorf). Puerto Toro liegt sogar noch südlicher, die 50 Fischer und ihre Familien kümmern sich aber nicht gross um die Ehre des südlichsten Irgendwas. Anscheinend wurde jetzt aber schlussendlich Puerto Williams (2700 Einwohner) mit dem Titel “Südlichste Stadt” geehrt.

Den Hike machte ich natürlich nicht alleine, sondern mit Jenn und Matthew aus den USA. Ich lernte sie im Hostel kennen und durfte mich ihnen anschliessen. In Puerto Williams deckten wir uns noch mit dem nötigsten ein und zogen los. Die Tour ist unbeschreiblich schön! Sie führt über hohe Pässe, durch Wälder, vorbei an hundert kleiner Seen und durch Hänge aus lauter loser Steine. Wir hatten Regen, Wind, Sonne und Schnee. Bei diesen Wetterbedingungen und einer anschleichenden Erkältung, die ich zu spühren begann, war es enorm hart. Die Nächte waren nicht gerade angenehm, trotz meines sehr warmen Schlafsacks. Aber schlussendlich würde ich die Tour wieder machen! Vielleicht einfach in fünf anstelle in vier Tagen.

Die ganze Tour habe ich mit GPS verfolgt: dientes_de_navarino.gpx
Die Datei einfach entpacken, bei http://www.gpsvisualizer.com/ hochladen und anzeigen lassen.

Torres del Paine

Hoppla! Hab glatt die Torres del Paine Wanderung übersprungen! Das war noch vor Ushuaia. Also zuerst das hier lesen.
Es war nämlich so:
Auf dem Weg nach Puerto Natales, der nächstgelegenen Stadt vom Park, habe ich Autumn (alias Eoin, Irland ) wieder getroffen. Er und Seine Kollegin Summer (alias Meredith, USA) luden mich dann ein, das “W” zu wandern. Da ich sowieso Wanderkollegen suchen wollte, kam mir das grad recht. Am nächsten Tag traf dann auch noch Winter (Jason, Australien) ein. Das mit den Namen war so eine Bedingung zum “Dazugehören”. Fand das schon etwas schräg, aber wir waren eine kurrlige Gruppe. Kam noch dazu, dass Meredith gar nicht Zelten wollte, sondern in Cabañas mit Jacuzzi übernachten! Ich war entsetzt! Wir machen doch Adventure! Mir war gar nicht bewusst, was für Luxus in diesem Park-Abschnitt geboten wird. Am Schluss landete ich aber selbst im Jacuzzi..
Am 24. Dezember brachte uns ein Bus zum Parkeingang. Meredith und Jason nahmen sich die Refugios und Cabañas vor, während Eoin und ich mit meinem Zelt unterwegs waren. Heilig Abend verbrachten wir also getrennt, weil der Zeltplatz weiter oben beim ersten Aussichtspunkt war. Wir waren umrundet von Schweizern und nachdem jeder sein Weihnachtsgericht fertig hatte gabs noch eine Runde “Glüh-Whiskey” nach Irischer Art (Whiskey, heisses Wasser, Nägeli, Limone).
Am nächsten Morgen betrachteten wir den Sonnenaufgang auf dem eine Stunde entfernten Aussichtspunkt “Mirador Los Torres”. Eine schöne Sache, vor allem, wenn man noch Frühstück und Gaskocher für den Kaffee einpackt!
Dann läuft man fast den gleichen Weg zurück und biegt Richtung Westen ab. W-Wanderung heisst es eben, weil man die drei Aussichtspunkte anstrebt und immer wieder den selben Weg zurück nimmt. Nächster halt war knapp vor dem mittleren W-Strich. Diesmal mit Meredith und Jason, da die Cabañas und der Camping beieinander waren. Wir kochten diese Nacht nicht, sondern gönnten uns ein leckeres “Christmas Day Dinner”. Und weil es ja grad um die Ecke war, gingen wir alle noch ins Jacuzzi und schauten uns den Sonnenuntergang an.
Der Mittlere Aussichtspunkt “Valle Del Frances” ist ein hartes Stück. Das gute am W ist, dass man sein Zelt in den tiefen Regionen aufstellen kann und dann nur das nötigste zum Aussichtspunkt mitnimmt. Wir schlugen unser Zelt am unteren Ende des mittleren W-Strichs auf. Dann drei Stunden hoch und zweieinhalb runter. Meredith und Jason legten sogar noch zwei Stunden drauf, weil das nächste Refugio beim westlichen W-Strich liegt.
Diese durften Eoin und ich dann dafür am nächsten Tag früh am Morgen aufholen. Mit den dreieinhalb Stunden zum letzten Aussichtspunkt “Grey Gletscher” gab das also eine Neun-Stunden-Wanderung! Zum Glück aber nur zwei Stunden davon voll beladen.
Erleichtert gönnten wir uns ein Bier im Refugio und nahmen den Katamaran zurück zum Start. Mehr erzählen die Bilder.
Nach der Rückkehr hörten wir vom Feuer, das anscheinend in der Nähe vom Grey-Aussichtspunkt entfachte! Wie immer hört man natürlich viel Gerüchte. Jetzt ist bekannt, das die Bereiche Grey-Gletscher und Valle del Frances zerstört sind. Anscheinend wegen eines Hikers, der ein Feuer machen wollte. Schon 2004 brannte ein Zehntel des Parks ab, weil ein “ungehorsamer” Hiker im Park kochte. Feuer ist nirgends, Gaskocher nur in den Zeltplätzen erlaubt. Das hätte echt nicht sein müssen!

Ushuaia – Südlichste Stadt Argentiniens

Mit Jason und Eoin bin ich via Punta Arenas nach Ushuaia gefahren. In Punta Arenas haben wir noch kurz eine Express-Pinguin-Tour gemacht (so sponntan, dass ich meine Kamera noch im Hostell hatte) und den windigsten Tag seit 18 Jahren erwischt. Sonst hat die Industrie-Stadt Punta Arenas nicht so viel zu bieten.

Ushuaia dann wirkt wie ein grosses Basiscamp, aus dem dann eine Stadt entstand. Die belebteste Strasse Avenida San Martin besteht aus Kleidergeschäften, Souvenirshops und Restaurants. Oben und unten davon (Ushaia liegt steil am Hang) findet man eher wieder die heruntergekommenen Häuser und eben auch viele Wellblech-Hütten. Ushuaia wurde zu einem wichtigen Ausgangspunkt für die Schifffahrt. Neben dem Güterumschlag auch für den Tourismus: Kreuzfahrten, Antarktis-Touren und die Navimagfähre nach Puerto Mont, Chile. Letztere ist eine für den Tourismus umgebaute Fähre mit simplen Kabinen.
Bekannt ist Ushuaia auch für das von 1920 bis 1947 unterhaltene Gefängnis “Presidio”. Einem Häftling wurden in einer Operation die Ohren “begradigt” weil man vermutete, dass seine “gewaltigen” Segelohren die Uhrsache für seine Gewalttätigkeit waren…
Rund um Ushaia gibt es viel zu sehen. Der Beagle-Kanal mit seiner Tiervielfalt, den Nationalpark “Tierra del Fuego”, einen Steinstrand und eine Tour zum “Gletscher” (eigentlich nur Schneefelder) hoch. Ich habe nur die Tour zum Gletscher gemacht. In Begleitung von Eoin, Meredith und Andrej (Aus Kasachstan und seit zwei Jahren unterwegs!).
Silvester verbrachte ich mit meinen Wanderkollegen im Hostel. Es gab leckere Lassagne und man chlöpft den Champagner schon vor zwölf, damit man pünktlich anstossen kann…. sowas! Später sind wir noch ins Nautico, ein Club, wo Reageton, Kommerz-Salsa und Electro gespielt wird. Geöffnet hat das Nautico um zwei Uhr Morgens, die Leute kamen etwa um halb vier! Das Ess- und Ausgehverhalten zieht sich in Chile und Argentinien von Nord bis Süd. Essen so gegen zehn. Ausgehen so um zwei, drei Uhr. Um fünf Uhr hatte ich genug und schaute mir den Sonnenaufgang auf einer Bank beim Hafen an.

El Calafate – Perito Moreno Gletscher

Der Perito Moreno Gletscher ist einer der noch wenigen oder sogar der einzige wachsende Gletscher. Zuerst wunderten wir uns, wie der Gletscher wachsen kann, wenn täglich so viel Eis abbricht, wie wir es zu sehen bekamen. Aber er wächst ca. einen Meter pro Tag! Speziell ist, dass der fünf Kilometer breite Gletscher alle vier bis zehn Jahre auf Land stösst und den Lago Argentino in zwei Teile trennt. Das Wasser im nördlichen Teil steigt dann an, bis der Druck die Eisbarriere zerstört. Ein eindrückliches Schauspiel. Im Moment hat der Gletscher gerade den See unterteilt.

Cueva de las Manos

Via Puerto Ibañes – Chile Chico und Los Antiguos bin ich in eine Estancia in der Nähe der Cueva de las Manos. Die Estancia hatte neben den üblichen luxuriöseren Räumlichkeiten auch eine Albergue, damit es nicht ganz so teuer wird.
Die Cueva de las Manos sind “Höhlen” mit etwa 800 Handabdrücken, die meisten von Linkshänden. Genauer genommen befinden sich die Abdrücke an einer überhängenden Felswand mit einer kleinen Höhle. Das Alter der Handabdrücke wird von 3000 Jahre aufwärts geschätzt. Neben den Abdrücken befinden sich auch Figuren und Zeichnungen von Jagdszenen. Man vermutet, dass die Farbe angepustet oder mit einem Schwamm angebracht wurde. Der überhängende Fels hat die Abdrücke vor Regen und Sonne geschützt. Der Fels selbst ist Teil einer grösseren Schlucht. Am liebsten hätte ich im grünen Tal mein Zelt aufgeschlagen. Aber auf die Idee kommt man halt erst, wenn man es sieht…

Carretera Austral

Von Esquel bin ich nach Futaleufú (wieder Chile) gereist. In diesem kleinen Dorf wollte ich nach einem Fahrrad und Zelt ausschau halten, um die Carretera damit zu bewältigen. Prompt entdeckte ich ein deutsches Paar auf ihren Rädern und habe sie dann darauf angesprochen: Woher, wie, was, wo. Sie hatten die Räder aber aus Deutschland rübertransportiert. Also noch etwas rumfragen.
Was ich und auch andere also zuerst als eher Chancenlos glaubten, war schlussendlich das einfachste der Welt: Ein kleiner Supermarkt verkaufte neben Avocados, Zwiebeln und Knoblauch auch Zelte, Fahrradtaschen und Fahrräder! Schnell kam ich in den in der Schweiz angeeigneten Outdoor-Konsum-Rausch und kaufte mir ein Occasion-Fahrrad, ein Zelt, Fahrradtaschen und ein Mätteli. Das Tüpfchen auf dem I waren noch die top Marken der Ware: Trek, Ortlieb und Mammut!
Mit Kyung wanderte ich am Nachmittag noch auf den Mirador. Es war ein regnerischer Tag, aber die Aussicht (wie immer mit einer Chilenenfahne bestückt) war es wert.
Um etwas Zeit zurückzugewinnen nahm ich dann am nächsten Tag die erste Etappe zur Carretera mit dem Bus. In Villa Lucia began dann das Abenteuer. Die Carretera Austral ist übrigens eine 1350 km lange Strasse von Puerto Mont bis Villa O’Higgins, dessen Bau von Pinochet 1976 lanciert wurde. Über 10’000 Soldaten haben die erste Version gebaut. Viele Abweigungen führen ans Meer oder in die Berge.
In Villa Lucia habe ich dann zufällig die beiden deutschen Radler Sarah und Micha wieder getroffen (Sie erkannten mich wieder an der auffälligen orangen Jacke und wollten wissen, wie ich zu all dem Zeugs kam). Zuerst wollte ich einen Abstecher nach Chaiten im Norden machen. Bei einem grossen Zmorge habe ich mich dann entschieden, mit ihnen Richtung Süden zu fahren. Eine super Entscheidung! Neben dem grossen Spass den wir hatten, war auch das Know-How und das Material der beiden unerlässlich. Leicht zu transportierendes und doch leckeres Essen, die richtigen Heringe für den schwierigen Boden, Packtipps für die schwierige Strase und und und…
Das war definitiv eines der besten Abenteuer! Vielen Dank für die super Zeit. Ohne Euch wäre es mir wohl ergangen wie in San Martin (allerdings diesmal mit Gas).
Das Know-How und die Freude am Kochen und Werken konnte ich dann auf der Wanderung im Nationalpark Torres del Paine weitergeben.
Die Gegend entlang der Carretera ist sehr interessant. Entlang der Strasse wachsen riesige Rhabarbern. Zahlreiche Wasserfälle rauschen neben einem nieder. Man kann Wanderungen zu Bergsehen und Gletscher oder Abstecher ans Meer machen.
Wir besichtigten den “hängenden” Gletscher Colgante. Hängend, weil er über eine Klippe ragt und absplitternde Brocken ins Tal donnern lässt. Eine sechs stündige Wanderung brachte uns über kleine Schneefelder zu einer grossen Lagune, wo noch alles der Natur überlassen ist. Bei einem Abstecher ans Meer konnten wir ein paar Delfine beobachten.
Speziell ist, dass enorm viel Land entlang der Carretera eingezäumt ist. Viele Schilder “Parzellen zu verkaufen” und die rausgeputzten Plätze in den Dörfern machen den Anschein, dass sich hier in den nächsten Jahren noch einiges ändern wird.
In Coyhaique war dann Endstation für mich. Ich konnte mein Fahrrad einem Einwohner verkaufen. Das Zelt schleppe ich von nun an mit.

Pucon bis Esquel

Neulich :-) bin ich mit Julia von San Martin de los Andes nach Pucon in Chile gefahren. Im sympatischen, kleinen Hostel “El Refugio” schloss sich dann schnell eine sieben-köpfige Gruppe zusamen. Wir mieteten einen Van und machten eine Tour durch die Umgebung. Es gab Strände, Thermen (wiedermal) und ein Einheimischen-Dorf zu besichtigen.
Ich zog dann weiter an den Lago Rupanco, wo es Thermen gibt (was soll denn dieses rumgetherme?). Das spezielle bei diesen Thermen ist, dass man direkt neben dem kalten See ein Loch buddeln kann und heisses Wasser von unten hat! So stand es in meinem Reiseführer auf einer Zeile. Das musste bewiesen werden. Via Osorno fuhr ich nach Bahia Escocia am Lago Rupanco. Der Buschauffeur war so nett und gab mir schon ein paar Infos, wo ich übernachten kann und wo dieser Strand liegt. Also die einzige Übernachtungsmöglichkeit (die mir gezeigt wurde) waren Cabañas: Kleine Holzhäuschen mit WC und Küche für bis zu sechs Personen. Das kostete zwar doppelt so viel wie ein Bett im Mehrbett-Zimmer, aber was solls. Hier gelang mir sogar ein Feuer im Ofen. Die nette Inhaberin deckte mich dann mit Gemüse und Gewürz ein (Eigeannbau!) und warnet mich vor dem Puma.
Am nächsten Tag regnete es in Strömen und ich verschob den Loch-Buddel-Event. Noch einen Tag später wurde das Wetter besser und macht mich auf, zum “Casa azul” (blaues Haus), dessen Inhaber Touren auf die andere Seeseite anbieten. Für 20’000 Peso (ca. 35 Fr) brachte mich dann Sohn Angelico mit Schaufel und Eimer rüber. Es waren schon ein paar Bäder geschaufelt. Wir schaufelten also noch etwas tiefer und gossen etwas Seewasser nach, weil es sonst zu heiss ist. Es stimmt also!
Mit dem Bus bin ich dann nach Puerto Varas gefahren und habe Julia und zwei weitere Freunde aus Pucon getroffen. Der Zufall bringt einem auf so Reisen häufig wieder zusammen.
Puerto Varas hat eine wunderschöne Sicht auf See und drei Vulkane. Sonst gab es nicht viel zu sehen und ich bin mit Julia weiter nach Bariloche.
In Bariloche gibt es tausende Wandermöglichkeiten. Da in der Gegend aber alles so Schweiz-ähnlich ist, wollte ich aber mehr in den Süden. Also schnell weiter nach Esquel und in den Park “Los Alerces”. Das ist zwar auch wieder Wald und See, aber es gibt Bäume zu sehen, die zwei- bis dreitausend Jahre alt sind. Ich plante eine zweitägige Wanderung, die dann aber in einer eintägigen endete. Manchmal kriegt man von den Touristen-Infos und Park-Zentren einfach zu wenig Informationen, um richtig planen zu können. So war eine Wanderung von Norden nach Süden nur entlang der befahrten Strasse möglich. Also habe ich mich zwei Schweizern angeschlossen und bin mit ihnen drei Rundgänge gewandert. Der letzte ging zu einem kleinen See mitten im Bambusgeschmückten Wald. Ein lautes Knacken aus dem Wald unterbrach unsere Ruhe – ein paar Kühe besuchten uns.

San Martin de los Andes (Argentinien)

Am ersten Tag habe ich eine Wanderung zum Mirador (Aussichtspunkt) und zur Islita (kleine Insel im Laga Lacar) gemacht. Hier in den Wäldern haben vor allem die Mapuche ihre Häuser. Die Pfade durch die Wälder werden von ihnen gepflegt. Darum zahlt man dann auch eine Kleinigikeit für die Benutzung: 2 Peso, ungefähr 45 Rappen.

Danach wollte ich ursprünglich mit dem Velo von San Martin de los Andes nach Bariloche fahren. Die sogenannte “Sieben-Seen-Tour” kann man in wenigen Tagen vollbringen. Wegen der Asche des vor sechs Monaten ausgebrochenen Vulkans Puyehue hat man mir aber davon abgeraten. Obwohl das schon eine ganze Weile her ist, macht die Asche auf dem Weg nach und in Bariloche noch Probleme. Also habe ich eine dreitägige Tour zu den Thermen am Lago Queñi unternommen. Eine harte Tour mit dem Fahrrad, besonders wenn man das Gas vergisst und nur kalt essen und trinken kann.
Ich bin am ersten Tag eher spät los, dachte aber, dass ich es noch zum ersten Camping schaffe. Da man auf den Schotterstrassen aber auch abwärts nur langsam vorwärts kommt, musste ich wild campieren. Das machte mir nichts aus, aber der Park-Ranger durfte mich nicht sehen.
Am nächsten Morgen bin ich um sieben Uhr los, um nicht entdeckt zu werden. Mein Hintern schmerzte vom Geholper. Die grössten Steigungen hatte ich schon am ersten Tag hinter mich gebracht, aber auch die folgenden hatten es in sich. Das Restaurant auf dem Weg hatte geschlossen und auch im “Camping organizado?” konnten sie mir nicht mit einem Kaffee aushelfen. Ich bin weiter und habe den “Camping libre” (geeigneter Ort, wo man Campieren und Feuer machen darf) am Nachmittag erreicht. Auf dem Weg gab es ein paar Bäche und einen grösseren Fluss zu überqueren. Der letzte Bach war leider tiefer als gedacht und meine Schuhe waren von nun an nass. Der Fluss aber war etwa 25 Meter breit, Knie-tief und eiskalt. Am anderen Ende musste man also etwas rumhüpfen und die Füsse massieren, um sie wieder klar zu kriegen. Zu den Thermen waren es dann noch ca. eine Stunde zu Fuss durch den Wald. Ein Trampelpfad bringt einem zu dem heissen Fluss, der ganz normal wirkt. Mit ein paar Steinen und umgefällten Bäumen hat man hier ein paar Becken kreiert, so, dass man beim Hinliegen gerade so im Wasser verschwindet. Es begann zu regnen, was aber ein Thermenbad nur noch besser macht. Es war sehr entspannend und ich war ganz alleine.
Glücklicherweise war Feuer im Camping erlaubt. Unglücklicherweise habe ich keines hingekriegt. Das Holz war feucht, ich hatte zu wenig Papier und niemand war da, der mir aushelfen konnte.
In der Nacht wurde es sehr kalt (laut Wetterbericht zwei Grad unter Null). Mein Schlafsack ist zwar dafür geeignet, aber der Schlaf ist nicht derselbe.
Es blieb auch den ganzen Tag sehr kalt und ich machte mich erst spät auf den Rückweg. Bei dieser Kälte war die Flussüberquerung ein echter Horror. Das Gute daran, dass die Füsse nach zehn Sekunden taub sind, ist, dass man die Steine nicht mehr spürt. Nach zehn Minuten rumhoppsen und Füsse massieren bin ich weiter. Ähnlich gings mir beim näachsten Bach.
Mal nicht übertreiben dachte ich, und als mir in der Hälfte des Rückwegs endgültig die Kraft und das Essen ausging, habe ich Autostopp gemacht. Juan brachte mich dann mit Mordstempo nach San Martin zurück und ich war für einmal glücklich, dass die Südamerikaner mehrheitlich mit Pickups rumdüsen. Als revanche habe ich die Süssigkeiten übernommen, die Juan für seine Familie kaufen wollte. Dieses Angebot hat er dann auch ganz gut ausgeschlagen und sich einen riesen Berg zusammengestellt. Ich gönnte mir eine heisse Dusche und zwei der grössten Burger, die man im Dorf bekommt.
Erst war ich etwas enttäuscht über die ganze Misere. Später erfuhr ich aber von Dauer-Bikern, dass das doch eine der mühsamsten Schotterstrassen Patagoniens ist. Das durfte ich auch selber erleben: Mit den selben Bikern bin ich zehn Tage die Carretera Austral entlang gefahren. Es war 1000 Mal besser!

Iguazú-Wasserfälle

Alle sagen: “Mach die Brasilien-Seite zuerst und erst danach die Argentinische”. Der Grund: Von den Fällen ist man auf der Brasilianischen Seite mächtig beeindruckt. Guckt man dann von der Argentinischen Seite, ist die Brasilianische nur noch langweilig! So war es dann auch.
Die Tour nach Brasilien lohnt sich aber auf alle Fälle. Vom Parkeingang wird man mit einem Bus durch den Dschungel zu den Fällen chauffiert. Dann merkt man mal, wie gross die ganze Anlage ist. Kilometerlang zieht sich Wasserfall an Wasserfall.
Auf der Argentinischen Seite (nächster Tag) sieht man das ganze dann aus der Nähe. Tonnen von Wasser donnert vor einem nieder! Mit dem Boot gelangt man in eine der Schluchten und verlässt sie dann, von oben bis unten nass. Dummerweise habe ich meine Schuhe nicht ausgezogen. Barfus war der Park aber ganz gut machbar.
Wir sind dann noch alle Stationen abgelaufen. Das eindrücklichste kommt zu letzt: “Garganta del Diablo” (Teufelsschlund). Das Wasser donnert in einer U-Form in die Schlucht und man gelangt mit den Holz- und Metallstegen bis an die Kante. Die ganze Anlage befindet sich mitten im Dschungel, was die ganze Atmosphäre noch spezieller macht. Einige meiner Kollegen sind am nächsten Tag nochmal hin, um die schönsten Stellen nochmals zu geniessen. (Wenn man sich am Ausgang seine Passnummer mit Stempel auf das Ticket schreiben lässt, kommt man nochmals günstiger rein).

Brasilien:


Argentinien: