Cueva de las Manos

Via Puerto Ibañes – Chile Chico und Los Antiguos bin ich in eine Estancia in der Nähe der Cueva de las Manos. Die Estancia hatte neben den üblichen luxuriöseren Räumlichkeiten auch eine Albergue, damit es nicht ganz so teuer wird.
Die Cueva de las Manos sind “Höhlen” mit etwa 800 Handabdrücken, die meisten von Linkshänden. Genauer genommen befinden sich die Abdrücke an einer überhängenden Felswand mit einer kleinen Höhle. Das Alter der Handabdrücke wird von 3000 Jahre aufwärts geschätzt. Neben den Abdrücken befinden sich auch Figuren und Zeichnungen von Jagdszenen. Man vermutet, dass die Farbe angepustet oder mit einem Schwamm angebracht wurde. Der überhängende Fels hat die Abdrücke vor Regen und Sonne geschützt. Der Fels selbst ist Teil einer grösseren Schlucht. Am liebsten hätte ich im grünen Tal mein Zelt aufgeschlagen. Aber auf die Idee kommt man halt erst, wenn man es sieht…

Carretera Austral

Von Esquel bin ich nach Futaleufú (wieder Chile) gereist. In diesem kleinen Dorf wollte ich nach einem Fahrrad und Zelt ausschau halten, um die Carretera damit zu bewältigen. Prompt entdeckte ich ein deutsches Paar auf ihren Rädern und habe sie dann darauf angesprochen: Woher, wie, was, wo. Sie hatten die Räder aber aus Deutschland rübertransportiert. Also noch etwas rumfragen.
Was ich und auch andere also zuerst als eher Chancenlos glaubten, war schlussendlich das einfachste der Welt: Ein kleiner Supermarkt verkaufte neben Avocados, Zwiebeln und Knoblauch auch Zelte, Fahrradtaschen und Fahrräder! Schnell kam ich in den in der Schweiz angeeigneten Outdoor-Konsum-Rausch und kaufte mir ein Occasion-Fahrrad, ein Zelt, Fahrradtaschen und ein Mätteli. Das Tüpfchen auf dem I waren noch die top Marken der Ware: Trek, Ortlieb und Mammut!
Mit Kyung wanderte ich am Nachmittag noch auf den Mirador. Es war ein regnerischer Tag, aber die Aussicht (wie immer mit einer Chilenenfahne bestückt) war es wert.
Um etwas Zeit zurückzugewinnen nahm ich dann am nächsten Tag die erste Etappe zur Carretera mit dem Bus. In Villa Lucia began dann das Abenteuer. Die Carretera Austral ist übrigens eine 1350 km lange Strasse von Puerto Mont bis Villa O’Higgins, dessen Bau von Pinochet 1976 lanciert wurde. Über 10’000 Soldaten haben die erste Version gebaut. Viele Abweigungen führen ans Meer oder in die Berge.
In Villa Lucia habe ich dann zufällig die beiden deutschen Radler Sarah und Micha wieder getroffen (Sie erkannten mich wieder an der auffälligen orangen Jacke und wollten wissen, wie ich zu all dem Zeugs kam). Zuerst wollte ich einen Abstecher nach Chaiten im Norden machen. Bei einem grossen Zmorge habe ich mich dann entschieden, mit ihnen Richtung Süden zu fahren. Eine super Entscheidung! Neben dem grossen Spass den wir hatten, war auch das Know-How und das Material der beiden unerlässlich. Leicht zu transportierendes und doch leckeres Essen, die richtigen Heringe für den schwierigen Boden, Packtipps für die schwierige Strase und und und…
Das war definitiv eines der besten Abenteuer! Vielen Dank für die super Zeit. Ohne Euch wäre es mir wohl ergangen wie in San Martin (allerdings diesmal mit Gas).
Das Know-How und die Freude am Kochen und Werken konnte ich dann auf der Wanderung im Nationalpark Torres del Paine weitergeben.
Die Gegend entlang der Carretera ist sehr interessant. Entlang der Strasse wachsen riesige Rhabarbern. Zahlreiche Wasserfälle rauschen neben einem nieder. Man kann Wanderungen zu Bergsehen und Gletscher oder Abstecher ans Meer machen.
Wir besichtigten den “hängenden” Gletscher Colgante. Hängend, weil er über eine Klippe ragt und absplitternde Brocken ins Tal donnern lässt. Eine sechs stündige Wanderung brachte uns über kleine Schneefelder zu einer grossen Lagune, wo noch alles der Natur überlassen ist. Bei einem Abstecher ans Meer konnten wir ein paar Delfine beobachten.
Speziell ist, dass enorm viel Land entlang der Carretera eingezäumt ist. Viele Schilder “Parzellen zu verkaufen” und die rausgeputzten Plätze in den Dörfern machen den Anschein, dass sich hier in den nächsten Jahren noch einiges ändern wird.
In Coyhaique war dann Endstation für mich. Ich konnte mein Fahrrad einem Einwohner verkaufen. Das Zelt schleppe ich von nun an mit.

Pucon bis Esquel

Neulich :-) bin ich mit Julia von San Martin de los Andes nach Pucon in Chile gefahren. Im sympatischen, kleinen Hostel “El Refugio” schloss sich dann schnell eine sieben-köpfige Gruppe zusamen. Wir mieteten einen Van und machten eine Tour durch die Umgebung. Es gab Strände, Thermen (wiedermal) und ein Einheimischen-Dorf zu besichtigen.
Ich zog dann weiter an den Lago Rupanco, wo es Thermen gibt (was soll denn dieses rumgetherme?). Das spezielle bei diesen Thermen ist, dass man direkt neben dem kalten See ein Loch buddeln kann und heisses Wasser von unten hat! So stand es in meinem Reiseführer auf einer Zeile. Das musste bewiesen werden. Via Osorno fuhr ich nach Bahia Escocia am Lago Rupanco. Der Buschauffeur war so nett und gab mir schon ein paar Infos, wo ich übernachten kann und wo dieser Strand liegt. Also die einzige Übernachtungsmöglichkeit (die mir gezeigt wurde) waren Cabañas: Kleine Holzhäuschen mit WC und Küche für bis zu sechs Personen. Das kostete zwar doppelt so viel wie ein Bett im Mehrbett-Zimmer, aber was solls. Hier gelang mir sogar ein Feuer im Ofen. Die nette Inhaberin deckte mich dann mit Gemüse und Gewürz ein (Eigeannbau!) und warnet mich vor dem Puma.
Am nächsten Tag regnete es in Strömen und ich verschob den Loch-Buddel-Event. Noch einen Tag später wurde das Wetter besser und macht mich auf, zum “Casa azul” (blaues Haus), dessen Inhaber Touren auf die andere Seeseite anbieten. Für 20’000 Peso (ca. 35 Fr) brachte mich dann Sohn Angelico mit Schaufel und Eimer rüber. Es waren schon ein paar Bäder geschaufelt. Wir schaufelten also noch etwas tiefer und gossen etwas Seewasser nach, weil es sonst zu heiss ist. Es stimmt also!
Mit dem Bus bin ich dann nach Puerto Varas gefahren und habe Julia und zwei weitere Freunde aus Pucon getroffen. Der Zufall bringt einem auf so Reisen häufig wieder zusammen.
Puerto Varas hat eine wunderschöne Sicht auf See und drei Vulkane. Sonst gab es nicht viel zu sehen und ich bin mit Julia weiter nach Bariloche.
In Bariloche gibt es tausende Wandermöglichkeiten. Da in der Gegend aber alles so Schweiz-ähnlich ist, wollte ich aber mehr in den Süden. Also schnell weiter nach Esquel und in den Park “Los Alerces”. Das ist zwar auch wieder Wald und See, aber es gibt Bäume zu sehen, die zwei- bis dreitausend Jahre alt sind. Ich plante eine zweitägige Wanderung, die dann aber in einer eintägigen endete. Manchmal kriegt man von den Touristen-Infos und Park-Zentren einfach zu wenig Informationen, um richtig planen zu können. So war eine Wanderung von Norden nach Süden nur entlang der befahrten Strasse möglich. Also habe ich mich zwei Schweizern angeschlossen und bin mit ihnen drei Rundgänge gewandert. Der letzte ging zu einem kleinen See mitten im Bambusgeschmückten Wald. Ein lautes Knacken aus dem Wald unterbrach unsere Ruhe – ein paar Kühe besuchten uns.

San Martin de los Andes (Argentinien)

Am ersten Tag habe ich eine Wanderung zum Mirador (Aussichtspunkt) und zur Islita (kleine Insel im Laga Lacar) gemacht. Hier in den Wäldern haben vor allem die Mapuche ihre Häuser. Die Pfade durch die Wälder werden von ihnen gepflegt. Darum zahlt man dann auch eine Kleinigikeit für die Benutzung: 2 Peso, ungefähr 45 Rappen.

Danach wollte ich ursprünglich mit dem Velo von San Martin de los Andes nach Bariloche fahren. Die sogenannte “Sieben-Seen-Tour” kann man in wenigen Tagen vollbringen. Wegen der Asche des vor sechs Monaten ausgebrochenen Vulkans Puyehue hat man mir aber davon abgeraten. Obwohl das schon eine ganze Weile her ist, macht die Asche auf dem Weg nach und in Bariloche noch Probleme. Also habe ich eine dreitägige Tour zu den Thermen am Lago Queñi unternommen. Eine harte Tour mit dem Fahrrad, besonders wenn man das Gas vergisst und nur kalt essen und trinken kann.
Ich bin am ersten Tag eher spät los, dachte aber, dass ich es noch zum ersten Camping schaffe. Da man auf den Schotterstrassen aber auch abwärts nur langsam vorwärts kommt, musste ich wild campieren. Das machte mir nichts aus, aber der Park-Ranger durfte mich nicht sehen.
Am nächsten Morgen bin ich um sieben Uhr los, um nicht entdeckt zu werden. Mein Hintern schmerzte vom Geholper. Die grössten Steigungen hatte ich schon am ersten Tag hinter mich gebracht, aber auch die folgenden hatten es in sich. Das Restaurant auf dem Weg hatte geschlossen und auch im “Camping organizado?” konnten sie mir nicht mit einem Kaffee aushelfen. Ich bin weiter und habe den “Camping libre” (geeigneter Ort, wo man Campieren und Feuer machen darf) am Nachmittag erreicht. Auf dem Weg gab es ein paar Bäche und einen grösseren Fluss zu überqueren. Der letzte Bach war leider tiefer als gedacht und meine Schuhe waren von nun an nass. Der Fluss aber war etwa 25 Meter breit, Knie-tief und eiskalt. Am anderen Ende musste man also etwas rumhüpfen und die Füsse massieren, um sie wieder klar zu kriegen. Zu den Thermen waren es dann noch ca. eine Stunde zu Fuss durch den Wald. Ein Trampelpfad bringt einem zu dem heissen Fluss, der ganz normal wirkt. Mit ein paar Steinen und umgefällten Bäumen hat man hier ein paar Becken kreiert, so, dass man beim Hinliegen gerade so im Wasser verschwindet. Es begann zu regnen, was aber ein Thermenbad nur noch besser macht. Es war sehr entspannend und ich war ganz alleine.
Glücklicherweise war Feuer im Camping erlaubt. Unglücklicherweise habe ich keines hingekriegt. Das Holz war feucht, ich hatte zu wenig Papier und niemand war da, der mir aushelfen konnte.
In der Nacht wurde es sehr kalt (laut Wetterbericht zwei Grad unter Null). Mein Schlafsack ist zwar dafür geeignet, aber der Schlaf ist nicht derselbe.
Es blieb auch den ganzen Tag sehr kalt und ich machte mich erst spät auf den Rückweg. Bei dieser Kälte war die Flussüberquerung ein echter Horror. Das Gute daran, dass die Füsse nach zehn Sekunden taub sind, ist, dass man die Steine nicht mehr spürt. Nach zehn Minuten rumhoppsen und Füsse massieren bin ich weiter. Ähnlich gings mir beim näachsten Bach.
Mal nicht übertreiben dachte ich, und als mir in der Hälfte des Rückwegs endgültig die Kraft und das Essen ausging, habe ich Autostopp gemacht. Juan brachte mich dann mit Mordstempo nach San Martin zurück und ich war für einmal glücklich, dass die Südamerikaner mehrheitlich mit Pickups rumdüsen. Als revanche habe ich die Süssigkeiten übernommen, die Juan für seine Familie kaufen wollte. Dieses Angebot hat er dann auch ganz gut ausgeschlagen und sich einen riesen Berg zusammengestellt. Ich gönnte mir eine heisse Dusche und zwei der grössten Burger, die man im Dorf bekommt.
Erst war ich etwas enttäuscht über die ganze Misere. Später erfuhr ich aber von Dauer-Bikern, dass das doch eine der mühsamsten Schotterstrassen Patagoniens ist. Das durfte ich auch selber erleben: Mit den selben Bikern bin ich zehn Tage die Carretera Austral entlang gefahren. Es war 1000 Mal besser!