Carretera Austral

Von Esquel bin ich nach Futaleufú (wieder Chile) gereist. In diesem kleinen Dorf wollte ich nach einem Fahrrad und Zelt ausschau halten, um die Carretera damit zu bewältigen. Prompt entdeckte ich ein deutsches Paar auf ihren Rädern und habe sie dann darauf angesprochen: Woher, wie, was, wo. Sie hatten die Räder aber aus Deutschland rübertransportiert. Also noch etwas rumfragen.
Was ich und auch andere also zuerst als eher Chancenlos glaubten, war schlussendlich das einfachste der Welt: Ein kleiner Supermarkt verkaufte neben Avocados, Zwiebeln und Knoblauch auch Zelte, Fahrradtaschen und Fahrräder! Schnell kam ich in den in der Schweiz angeeigneten Outdoor-Konsum-Rausch und kaufte mir ein Occasion-Fahrrad, ein Zelt, Fahrradtaschen und ein Mätteli. Das Tüpfchen auf dem I waren noch die top Marken der Ware: Trek, Ortlieb und Mammut!
Mit Kyung wanderte ich am Nachmittag noch auf den Mirador. Es war ein regnerischer Tag, aber die Aussicht (wie immer mit einer Chilenenfahne bestückt) war es wert.
Um etwas Zeit zurückzugewinnen nahm ich dann am nächsten Tag die erste Etappe zur Carretera mit dem Bus. In Villa Lucia began dann das Abenteuer. Die Carretera Austral ist übrigens eine 1350 km lange Strasse von Puerto Mont bis Villa O’Higgins, dessen Bau von Pinochet 1976 lanciert wurde. Über 10’000 Soldaten haben die erste Version gebaut. Viele Abweigungen führen ans Meer oder in die Berge.
In Villa Lucia habe ich dann zufällig die beiden deutschen Radler Sarah und Micha wieder getroffen (Sie erkannten mich wieder an der auffälligen orangen Jacke und wollten wissen, wie ich zu all dem Zeugs kam). Zuerst wollte ich einen Abstecher nach Chaiten im Norden machen. Bei einem grossen Zmorge habe ich mich dann entschieden, mit ihnen Richtung Süden zu fahren. Eine super Entscheidung! Neben dem grossen Spass den wir hatten, war auch das Know-How und das Material der beiden unerlässlich. Leicht zu transportierendes und doch leckeres Essen, die richtigen Heringe für den schwierigen Boden, Packtipps für die schwierige Strase und und und…
Das war definitiv eines der besten Abenteuer! Vielen Dank für die super Zeit. Ohne Euch wäre es mir wohl ergangen wie in San Martin (allerdings diesmal mit Gas).
Das Know-How und die Freude am Kochen und Werken konnte ich dann auf der Wanderung im Nationalpark Torres del Paine weitergeben.
Die Gegend entlang der Carretera ist sehr interessant. Entlang der Strasse wachsen riesige Rhabarbern. Zahlreiche Wasserfälle rauschen neben einem nieder. Man kann Wanderungen zu Bergsehen und Gletscher oder Abstecher ans Meer machen.
Wir besichtigten den “hängenden” Gletscher Colgante. Hängend, weil er über eine Klippe ragt und absplitternde Brocken ins Tal donnern lässt. Eine sechs stündige Wanderung brachte uns über kleine Schneefelder zu einer grossen Lagune, wo noch alles der Natur überlassen ist. Bei einem Abstecher ans Meer konnten wir ein paar Delfine beobachten.
Speziell ist, dass enorm viel Land entlang der Carretera eingezäumt ist. Viele Schilder “Parzellen zu verkaufen” und die rausgeputzten Plätze in den Dörfern machen den Anschein, dass sich hier in den nächsten Jahren noch einiges ändern wird.
In Coyhaique war dann Endstation für mich. Ich konnte mein Fahrrad einem Einwohner verkaufen. Das Zelt schleppe ich von nun an mit.

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