San Martin de los Andes (Argentinien)

Am ersten Tag habe ich eine Wanderung zum Mirador (Aussichtspunkt) und zur Islita (kleine Insel im Laga Lacar) gemacht. Hier in den Wäldern haben vor allem die Mapuche ihre Häuser. Die Pfade durch die Wälder werden von ihnen gepflegt. Darum zahlt man dann auch eine Kleinigikeit für die Benutzung: 2 Peso, ungefähr 45 Rappen.

Danach wollte ich ursprünglich mit dem Velo von San Martin de los Andes nach Bariloche fahren. Die sogenannte “Sieben-Seen-Tour” kann man in wenigen Tagen vollbringen. Wegen der Asche des vor sechs Monaten ausgebrochenen Vulkans Puyehue hat man mir aber davon abgeraten. Obwohl das schon eine ganze Weile her ist, macht die Asche auf dem Weg nach und in Bariloche noch Probleme. Also habe ich eine dreitägige Tour zu den Thermen am Lago Queñi unternommen. Eine harte Tour mit dem Fahrrad, besonders wenn man das Gas vergisst und nur kalt essen und trinken kann.
Ich bin am ersten Tag eher spät los, dachte aber, dass ich es noch zum ersten Camping schaffe. Da man auf den Schotterstrassen aber auch abwärts nur langsam vorwärts kommt, musste ich wild campieren. Das machte mir nichts aus, aber der Park-Ranger durfte mich nicht sehen.
Am nächsten Morgen bin ich um sieben Uhr los, um nicht entdeckt zu werden. Mein Hintern schmerzte vom Geholper. Die grössten Steigungen hatte ich schon am ersten Tag hinter mich gebracht, aber auch die folgenden hatten es in sich. Das Restaurant auf dem Weg hatte geschlossen und auch im “Camping organizado?” konnten sie mir nicht mit einem Kaffee aushelfen. Ich bin weiter und habe den “Camping libre” (geeigneter Ort, wo man Campieren und Feuer machen darf) am Nachmittag erreicht. Auf dem Weg gab es ein paar Bäche und einen grösseren Fluss zu überqueren. Der letzte Bach war leider tiefer als gedacht und meine Schuhe waren von nun an nass. Der Fluss aber war etwa 25 Meter breit, Knie-tief und eiskalt. Am anderen Ende musste man also etwas rumhüpfen und die Füsse massieren, um sie wieder klar zu kriegen. Zu den Thermen waren es dann noch ca. eine Stunde zu Fuss durch den Wald. Ein Trampelpfad bringt einem zu dem heissen Fluss, der ganz normal wirkt. Mit ein paar Steinen und umgefällten Bäumen hat man hier ein paar Becken kreiert, so, dass man beim Hinliegen gerade so im Wasser verschwindet. Es begann zu regnen, was aber ein Thermenbad nur noch besser macht. Es war sehr entspannend und ich war ganz alleine.
Glücklicherweise war Feuer im Camping erlaubt. Unglücklicherweise habe ich keines hingekriegt. Das Holz war feucht, ich hatte zu wenig Papier und niemand war da, der mir aushelfen konnte.
In der Nacht wurde es sehr kalt (laut Wetterbericht zwei Grad unter Null). Mein Schlafsack ist zwar dafür geeignet, aber der Schlaf ist nicht derselbe.
Es blieb auch den ganzen Tag sehr kalt und ich machte mich erst spät auf den Rückweg. Bei dieser Kälte war die Flussüberquerung ein echter Horror. Das Gute daran, dass die Füsse nach zehn Sekunden taub sind, ist, dass man die Steine nicht mehr spürt. Nach zehn Minuten rumhoppsen und Füsse massieren bin ich weiter. Ähnlich gings mir beim näachsten Bach.
Mal nicht übertreiben dachte ich, und als mir in der Hälfte des Rückwegs endgültig die Kraft und das Essen ausging, habe ich Autostopp gemacht. Juan brachte mich dann mit Mordstempo nach San Martin zurück und ich war für einmal glücklich, dass die Südamerikaner mehrheitlich mit Pickups rumdüsen. Als revanche habe ich die Süssigkeiten übernommen, die Juan für seine Familie kaufen wollte. Dieses Angebot hat er dann auch ganz gut ausgeschlagen und sich einen riesen Berg zusammengestellt. Ich gönnte mir eine heisse Dusche und zwei der grössten Burger, die man im Dorf bekommt.
Erst war ich etwas enttäuscht über die ganze Misere. Später erfuhr ich aber von Dauer-Bikern, dass das doch eine der mühsamsten Schotterstrassen Patagoniens ist. Das durfte ich auch selber erleben: Mit den selben Bikern bin ich zehn Tage die Carretera Austral entlang gefahren. Es war 1000 Mal besser!

Leave a Reply

Your email address will not be published. Required fields are marked *

*

You may use these HTML tags and attributes: <a href="" title=""> <abbr title=""> <acronym title=""> <b> <blockquote cite=""> <cite> <code> <del datetime=""> <em> <i> <q cite=""> <strike> <strong>